Kranksein in Ostafrika – Kenia

Liebe Paten,

bei uns ist es normal, dass man krankenversichert ist und wenn man wegen Krankheit oder Unfall ins Krankenhaus muss, wird man dort versorgt. Das sehen wir als ganz selbstverständlich an. Aber wie ist es in Kenia? Nehmen wir als Beispiel Suzan, die sich durch einen Unfall auf der Straße ein Bein bricht…

In Kenia kommt es darauf an, wie Suzan krankenversichert ist: für die, die es sich leisten können, gibt es mit der „Medical Cover“ jede medizinische Hilfe und Behandlung. Für alle anderen die staatliche N.S.S.F., die lediglich das Bett im Krankenhaus bezahlt, nicht aber die Behandlung.

Es gibt private und staatliche Krankenhäuser: die staatlichen sind billiger, aber auch beim Personal und den Behandlungsmöglichkeiten schlechter ausgestattet. Im Falle von Suzan wird sie ins Krankenhaus gebracht, dort geröntgt, ggf. operiert und eingegipst und erhält Medikamente. Die ganze Behandlung muss die Familie bezahlen. Mit der NSSF-Karte wird zumindest das Bett bezahlt. Ohne diese Karte muss Bett und Behandlung selbst bezahlt werden.

Der Krankentransport zur Klinik kann recht unterschiedlich sein: im „richtigen“ Krankenwagen, im Privatauto, auf dem Motorrad, Fahrrad oder Esel. Autos gibt es jedoch meist nur dort, wo es größere Ortschaften mit Läden gibt.

Endlich im Krankenhaus angekommen, wird Suzan erstversorgt und zum Röntgen gebracht. Dann wird die Familie verständigt, die zuerst eine Anzahlung leisten muss, bevor Suzan im Krankenhaus bleiben kann.
Wenn Suzan in einem staatlichen Krankenhaus liegt, wird sie das Zimmer mit 10 und mehr Patienten teilen. In einem Privatkrankenhaus könnte sie dagegen Einzelzimmer oder Doppelzimmer mit TV haben.

Die Krankenhäuser haben Besuchszeiten. Die Besucher bringen gerne Obst und Milchprodukte, wie Joghurt, mit. Eine Cafeteria wie bei uns gibt es nur in Privatkliniken. In den staatlichen Kliniken gibt es nur Besuche am Krankenbett. Auch im Umgangston unterscheiden sich private und staatliche Kliniken: während die besserbezahlten Pflegekräfte in Privatkliniken sehr freundlich sind, ist der Ton in den staatlichen Krankenhäusern sehr harsch und die Krankenschwestern haben wenig Zeit für den Patienten. Sie werden schlecht bezahlt und streiken auch schon mal solange, bis ihr Gehalt kommt.

Normalerweise bekommt Suzan Schlappen, Seife, Handtuch und eine Waschschüssel vom Krankenhaus gestellt, die jedoch dann auch bezahlt werden müssen. Suzan bekommt 4x täglich Essen, jedoch ohne Auswahl wie bei uns. Nur in den Privatkliniken ist eine kleine Essensauswahl möglich. So gibt es zum Frühstück Brot und ein gekochtes Ei. Zum Mittagessen wird Gemüse und Maisbrei gereicht und zum Abendessen Reis und Kartoffelauflauf. Zu Trinken gibt es stilles Wasser und die Pflegekräfte achten darauf, dass nach einer OP auch genug getrunken wird.

Suzan bekommt den behandelnden Arzt nur zur OP und bei Komplikationen danach zu sehen. Die tägliche Visite machen allein die Pflegekräfte. Nach der OP muss Suzan noch einige Tage im Krankenhaus bleiben. Ihr wird zur Krankengymnastik geraten, die sie selbst bezahlen und um die sie sich selbst kümmern muss. Kann sich Suzan keine Krankengymnastik leisten, geben ihr die Krankenschwestern bei der Entlassung noch einige Hinweise für zu Hause. Die Krankenhauskosten bei einem gebrochenen Bein betragen in einer staatlichen Klinik etwa 600 €uro und gut das Doppelte in einer Privatklinik.

Es ist zum Glück selten, das unsere Patenkinder so schwer erkranken, dass sie über mehrere Wochen im Krankenhaus behandelt werden müssen. In aller Regel deckt unsere „Patenkinder-Krankenversicherung“ die Behandlung ab (meist sind es Erkältungs- und Malariaerkrankungen). Ist ein Patenkind jedoch wirklich schwerwiegend erkrankt und die Rechnung sehr hoch, übernimmt das MFB die Kosten und fragt bei den Paten an, ob sie auch etwas dazu beitragen möchten. Doch das kommt zum Glück nur sehr selten vor, wofür wir alle sehr dankbar sind!

Viele Grüße aus dem MFB und bleiben Sie gesund!
Sylke Goebel, Missionswerk Frohe Botschaft