Kranksein in Ostafrika – Uganda

Liebe Paten,

bei uns ist es normal, dass man krankenversichert ist und wenn man wegen Krankheit oder Unfall ins Krankenhaus muss, wird man dort versorgt. Das sehen wir als ganz selbstverständlich an. Aber wie ist es in Uganda? Nehmen wir als Beispiel Suzan, die sich durch einen Unfall auf der Straße ein Bein bricht…

Oftmals gibt es keinen Krankenwagen, sondern Suzan wird mit einem Privatwagen zum Krankenhaus gebracht. Falls doch ein Krankenwagen kommt, muss er bezahlt werden, die Kosten betragen ca. 15-30 €uro, die Anfahrtszeit dauert etwa 30-60 Minuten (je nach Straßenverhätnissen).

Die Familie wird vom Krankenhaus informiert und – je nach Krankenhaus – bringt sie nicht nur die nötigen persönlichen Dinge für Suzan vorbei, sondern auch das Bettzeug! Die Zimmerausstattung ist unterschiedlich: es gibt 4- und 2 Bettzimmer, teurer sind natürlich Einzelzimmer, sie haben sogar TV und ein eigenes Bad. Hier bekommt der Patient auch Essen und Tee gereicht.

Es gibt feste Besuchszeiten, z. B. von 6-8 Uhr morgens, 13-14 Uhr und 17-19 Uhr. Die Familien müssen die Patienten selbst mit Essen und Trinken versorgen. Die Klinik gibt nur in ganz besonderen Fällen selbst Essen heraus. Die Familien bringen das Essen entweder von zu Hause mit oder kaufen es in der Cafeteria.

Es gibt unterschiedliche Krankenversicherungen, die verschiedene Leistungen anbieten. So deckt Suzans Versicherung nur einige Krankheiten und kleinere OPs ab. Unsere Patenkinder sind durch die Patenschaft automatisch krankenversichert.

Nach der Entlassung erhält Suzan Termine zur Nachsorge bei den Ärzten. Die Kosten für Suzans Krankenhausaufenthalt betragen in einer Privatklinik etwa 230-450 €uro, in einem staatlichen Krankenhaus bzw. im Mengo-Krankenhaus, in dem unsere Patenkinder exklusiv versichert sind, beträgt Suzans Aufenthalt zwischen 180-230 €uro.

Wie sieht es in der sehr abgelegenen und ländlichen Gegend bei unseren Pygmäen-Patenkinder in der Bishop‘s School im Südwesten Ugandas aus? Hat Suzan einen Unfall außerhalb der Schule, aber noch auf gut befahrbaren Wegen, wird sie mit dem Motorrad- oder Fahrradtaxi in die Nyakatare-Krankenstation gefahren. Passiert der Unfall in unwegsamem Gelände, wird eine Bahre aus Ästen und Grasverspannung gebaut. Damit wird Suzan dann zur nächsten befahrbaren Straße getragen. Sollte Suzan allein bei ihrem Unfall gewesen sein, muss sie erst einmal jemanden finden, der dann die Hilfe organisiert.

Hat Suzan den Unfall in der Bishop‘s School, kann sie mit dem neu angeschafften Schulbus zur Nyakatere-Krankenstation gefahren werden. Hier erhält sie die Erstversorgung. Ist es ein komplizierter Bruch, wird sie weiter in die nächst größere Klinik, das Bwindi Hospital, oder sogar noch weiter in die rund 150 km entfernte größere Klinik der Stadt Mbarara gebracht. Ist Suzan kein Pygmäen-Patenkind, so müssen ihre Eltern den Krankentransport und die

Behandlungen selbst zahlen. Die Nyakatare-Krankenstation wurde von der Diözese Kinkiizi (die auch die Bischop School betreibt) gegründet und liegt nahe des Diözesanbüros. Hier können jedoch nur kleinere und problemlose Fälle behandelt werden und die Erstversorgung bei schwereren Fällen stattfinden. Suzan wird daher dann ins Bwindi-Krankenhaus überführt, die eine Röntgenabteilung haben. Das Bwindi-Krankenhaus wurde auch von der Diözese gegründet.

Die Station verständigt dann ihre Familie und bespricht, was sie für Suzans Aufenthalt mitbringen müssen: Bettwäsche, Nahrungsmittel, Holzkohleherd, Kochtopf, Besteck und ein Familienmitglied, das Suzan während des Aufenthalts versorgt. Diese Betreuungsperson wird „Maid“ genannt. Besucher sind auch in Coronazeiten nach den geltenden Hygieneregeln (Fiebermessen, Handdesinfektion, Maskentragen) willkommen. Sie bringen oft Nahrungsmittel, Getränke und auch etwas Geld zur Versorgung mit.

Die Krankenstation hat Säle für 10-20 Patienten und den Betreuern. Bei den meisten Zimmern liegen die Latrinen und Badezimmer weiter entfernt. Kann der Patient schlecht laufen, kann er als Toilette einen Eimer benutzen, den seine Maid dann in der Latrine entleert. Auch bei Suzans Körperpflege hilft ihr ihre Maid. Die Krankenschwestern versorgen Suzan nur mit Medikamenten, prüfen den Allgemeinzustand (messen z.B. Fieber)  und machen Beratungen.

Es kann 3 Mahlzeiten am Tag geben, je nachdem, wieviel und wann die Maid das Essen in der Krankenhausküche kochen kann. Oftmals gibt es Kochbananen (matooke) mit Bohnen oder Erdnusssauce und – falls erhältlich – Fleisch. Kann die Maid nicht genügend Nahrungsmittel beschaffen, gibt es mitunter nur einmal am Tag etwas zu essen.

Die Maid bleibt Tag und Nacht bei Suzan und schläft neben ihrem Bett auf dem Boden. Manche Patienten haben sogar mehr als eine Maid, die dann auf dem Flur schlafen.

Nach der OP bleibt Suzan noch einige Tage im Krankenhaus. Je nach Schwere der Krankheit kann sich das sogar bis zu mehreren Wochen oder Monaten hinziehen. Der Heilungsfortschritt wird von den Krankenschwestern dokumentiert. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus hat Suzan die Möglichkeit, nochmals zu einer Nachuntersuchung ins Krankenhaus zu kommen – allerdings nur, wenn sie den Transport und die Nachsorgekosten bezahlen kann.

Die Diözese hat eine allgemeine Krankenversicherung für alle Pygmäen initiiert, die durch Spenden eingebracht werden. Jedes Familienmitglied ist mit 4,50 €uro im Jahr krankenversichert durch das „Pygmäen-Entwicklungsprogramm“: die Führer der Pygmäen geben der Diözese bekannt, wenn in ihren Siedlungen jemand erkrankt ist und die Diözese sorgt auch für den Krankentransport ins Krankenhaus.

Wenn Suzan bei der Bwindi-Gesundheitsversicherung versichert ist, hat sie nur einen kleinen Eigenanteil zu zahlen. Ist sie nicht versichert, muss die Familie dafür aufkommen, was bei Suzans Fall zwischen 180 – 2700 €uro betragen kann. Ist die Familie zu arm, fragen sie bei weiteren Verwandten und Freunden nach, ob sie etwas zu den Kosten beitragen können. Manche Familien verlieren hierdurch viel von ihrem Besitz, wenn sie Land und ihr Vieh verkaufen. Manche arbeiten die Krankenhausrechnung auch im Krankenhaus ab, indem sie in der Wäscherei oder im Garten arbeiten. In vielen Fällen versucht die Diözese auch, durch Spenden die Krankenhauskosten bezahlen zu können.

Wenn Suzan als Erwachsene diesen Unfall hat und noch dazu die Haupternährerin der Familie ist, hat ihr Unfall große Auswirkungen: eine erwachsene Person muss als Maid gefunden werden, die Kinder müssen versorgt werden und können u. U. wegen fehlendem Schulgeld nicht mehr zur Schule gehen.

Es ist zum Glück selten, das unsere Patenkinder so schwer erkranken, dass sie über mehrere Wochen im Krankenhaus behandelt werden müssen. In aller Regel deckt unsere „Patenkinder-Krankenversicherung“ die Behandlung ab (meist sind es Erkältungs- und Malariaerkrankungen). Ist ein Patenkind jedoch wirklich schwerwiegend erkrankt und die Rechnung sehr hoch, übernimmt das MFB die Kosten und fragt bei den Paten an, ob sie auch etwas dazu beitragen möchten. Doch das kommt zum Glück nur sehr selten vor, wofür wir alle sehr dankbar sind!

Viele Grüße aus dem MFB und bleiben Sie gesund!
Sylke Goebel, Missionswerk Frohe Botschaft