Ein Jahresrückblick unserer Patenkinder aus Ruanda

Liebe Paten,

einige Fragen und Antworten, was Ihr Patenkind in diesem besonderen Jahr 2020 gemacht hat und wie es 2021 weitergehen wird:

Warum konnte mein Patenkind nicht mehr in die Schule gehen?

Die Situationen waren bzw. sind in Ruanda und dem Nachbarland Uganda sehr ähnlich: Zum Schutz der Bevölkerung vor Corona wurden Mitte März alle Schulen in Ruanda geschlossen. Ihr Patengeld wurde teils für etwaige höhere Kosten einer Ausbildung aufgespart oder – was den Großteil ausmachte – dem Patenkind bzw. ihrem Vormund für den Kauf dringend benötigter Lebensmittel gegeben. Die verhängten Corona-Maßnahmen brachten es mit sich, dass es eine strenge Ausgangssperre gab und infolgedessen viele Ruander arbeitslos wurden und sich Lebensmittel nicht mehr leisten konnten. So trug Ihr Patengeld sehr dazu bei, dass sie nicht hungern mußten. Vielen Dank!

Wann machen die Schulen wieder auf?

Die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichtes für alle Klassen ist noch nicht in Sicht: Seit Anfang November haben bereits die meisten Klassen wieder Präsenzunterricht, nur die Grundschulklassen 1-3 sowie die Kindergärten werden erst Anfang Januar wieder öffnen. Die Schüler werden aber nicht versetzt, weil sie nur bis Mitte März 2020 regulären Unterricht hatten und die Lücken nicht mehr aufholen können.

Was haben die Patenkinder seit Schließung der Schule Mitte März gemacht?

Nur ganz wenige der guten (und teuren!) Privatschulen haben Online-Unterricht angeboten. Alle anderen Schulen versuchten sich mit Unterrichtseinheiten via Radio und Fernsehen zu behelfen, doch viele Kinder haben keinen Zugang zu Radio und Fernsehen. Die Kinder, die in den größeren Städten leben, wie in der Hauptstadt Kigali, hatten dabei wesentlich besseren Zugang zu den Bildungsangeboten als die Kinder auf dem Land, die von der Schulbildung stark abgehängt wurden.

Alle Kinder – auch die Patenkinder – haben in der Zeit ab März auch zuhause im Haushalt mitgeholfen: im Garten (sofern die Familie einen besitzt) beim Pflanzen, Säen und Ernten. Im Haus beim Kochen, Putzen, Wäschewaschen, Einkaufen und auch beim alltäglichen Feuerholz- und Wasserholen. Wenn sie kleinere Geschwister haben, mussten sie auf sie aufpassen.
Wir sind sehr froh, dass alle unsere Patenkinder gesund geblieben sind und keines der älteren Mädchen schwanger wurde.

Die staatlichen Stellen haben festgestellt, dass während des Lockdowns viel mehr Mädchen im Teeniealter schwanger geworden sind. Viele von ihnen haben die Schule abgebrochen und sich als Hausmädchen verdingt, um Geld zu verdienen. „Hausmädchen-sein“ beinhaltet aber auch schwere körperliche Arbeit den ganzen Tag und mitunter Mißbrauchsfälle. Wir sind daher so dankbar, das alle unsere Patenmädchen weiterhin zur Schule bzw. Ausbildung gehen.

Gibt es eine Weihnachtsfeier für alle Patenkinder?

Leider nein – die Corona-Vorschriften stehen dem entgegen, denn die Weihnachtsfeier hätte zu viele Teilnehmer.

Wie kommt mein Patenkind zu seinem Weihnachtsgeschenk?

Die Patenkinder sind eingeladen, einzeln zu unseren beiden Partnerorganisationen Solace Ministries und Good News International ins Büro zu kommen. Hier bekommen sie dann auch ihr Weihnachtsgeschenk überreicht. Wenn das Weihnachtsgeschenk vom Gewicht her zu schwer ist (wie z.B. ein großer Sack Reis), wird er zu den jeweiligen Kindern gebracht.

Viele Grüße aus dem MFB und von Solace Ministries und Good News International in Ruanda! Wir wünschen Ihnen einen schönen 4. Advent und eine frohe Weihnachtszeit, die so anders ist als alle Jahre davor! Bleiben Sie gesund und behütet!