Ein Jahresrückblick unserer Patenkinder aus Uganda

Liebe Paten,

einige Fragen und Antworten, was Ihr Patenkind in diesem besonderen Jahr 2020 gemacht hat und wie es 2021 weitergehen wird:

Warum konnte mein Patenkind nicht mehr in die Schule gehen?

Zum Schutz der Bevölkerung vor Corona wurden Mitte März alle Schulen in Uganda geschlossen. Ihr Patengeld wurde teils für etwaige höhere Kosten einer Ausbildung aufgespart oder – was den Großteil ausmachte – dem Patenkind bzw. ihrem Vormund für den Kauf dringend benötigter Lebensmittel gegeben. Denn die verhängten Corona-Maßnahmen brachten es mit sich, dass es eine strenge Ausgangssperre gab und infolgedessen viele Ugander arbeitslos wurden und sich Lebensmittel nicht mehr leisten konnten. So trug Ihr Patengeld sehr dazu bei, dass sie nicht hungern mußten. Vielen Dank!

Wann machen die Schulen wieder auf?

Mittlerweile ist die Ausgangssperre gelockert, und auch Tagelöhner können wieder arbeiten gehen. Auch die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts ist in Sicht: Die Schulen machen in der letzten Januarwoche wieder auf. Die Schüler werden nicht versetzt, weil sie nur bis Mitte März regulären Unterricht hatten und danach die Schule bis jetzt geschlossen sind. Einzige Ausnahme sind die Abschlußklassen:

Die Patenkinder, die eine Abschlußklasse besuchen (Abschluss der Grundschule, Mittelstufe, Oberstufe oder Berufsexamen) wurden die Schulen zur besseren Prüfungsvorbereitung bereits wieder Mitte Oktober geöffnet. Sie können ihren Abschluß im Frühjahr 2021 nachholen.

Warum geht es im Januar erst so spät los?

Am 14. Januar finden die Präsidentschaftswahlen in Uganda statt und die Zeit vor und auch nach den Wahlen ist eine gefährliche Zeit: Die Anhänger von Regierung und Opposition gehen oftmals aufeinander los. Der den amtierenden Präsidenten Museveni herausfordernde Oppositionsführer Robert Ssentamu (bekannter unser seinem Musikernamen „Bobi Wine“), wurde bereits mehrfach verhaftet. Seine Anhänger protestierten dagegen und es gab bereits mehrere Tote, viele Verletzte sowie Sachschäden. Es ist auch zu befürchten, dass regierungstreue und oppositionelle Anhänger das Ergebnis der Wahl nicht anerkennen. Zum Schutz der Schüler rät das ugandische Bildungsministerium zu diesem späteren Termin.

Was haben die Patenkinder seit Schließung der Schule Mitte März gemacht?

Die ugandische Regierung hat Heimunterricht angeordnet, der jedoch erheblich schwieriger zu bewerkstelligen war als bei uns. Wie erfolgreich die Kinder zu Hause ihre Schulaufgaben bewältigen konnten, ist noch unklar: es gab Radiosendung mit Unterrichtseinheiten und auch schriftliche Unterlagen, die die Kinder bearbeiten konnten. Sehr viele Kinder, die keine Patenkinder sind, hatten kaum eine Möglichkeit, an die Materialien zu kommen.
Alle Kinder – auch die Patenkinder – haben in der Zeit ab März auch zuhause im Haushalt mitgeholfen: im Garten (sofern die Familie einen besitzt) beim Pflanzen, Säen und Ernten. Im Haus beim Kochen, Putzen, Wäschewaschen, Einkaufen und auch beim alltäglichen Feuerholz- und Wasserholen. Wenn sie kleinere Geschwister haben, mussten sie auf sie aufpassen.
Wir sind sehr froh, dass alle unsere Patenkinder gesund geblieben sind und keines der älteren Mädchen schwanger wurde. Keins der Patenkinder wurde mit Corona infiziert und es gab nur wenige andere Krankheitsfälle, wie Malaria, Schnupfen und Durchfallerkrankungen.

Gibt es eine Weihnachtsfeier für alle Patenkinder?

Leider nein – die Corona-Vorschriften stehen dem entgegen, denn es dürfen sich z. Z. nur maximal 200 Personen treffen. Die Weihnachtsfreizeit hat jedoch viel mehr Teilnehmer. Die Kollegen von MIFA (Mission for All) hatten überlegt, viele kleine Ein-Tages-Weihnachtsfeiern dort zu veranstalten, wo viele Patenkinder wohnen und einfach hinkommen können. Doch davon haben sie mittlerweile Abstand genommen, denn es ist wegen des laufenden Wahlkampfs zu gefährlich und sie
befürchten, dass die sie und die Kinder zwischen die politischen Fronten geraten könnten.

Wie kommt mein Patenkind zu seinem Weihnachtsgeschenk?

Unsere Sozialarbeiter haben als diesjähriges Weihnachtsgeschenk eine Matratze vorgeschlagen. Eigentlich hatten sie geplant, die Matratzen selbst zu kaufen und vorbeizubringen, doch im Moment ist es zu gefährlich, mit einem großen Auto, vollgepackt mit Geschenken, herumzufahren. Regierungstreue oder Oppositionelle könnten annehmen, hier würden Wahlgeschenke vom politischen Gegner verschenkt und dagegen angehen.

Die MIFA-Mitarbeiter überlegen, ob sie das Geld für die Matratze den älteren Patenkindern direkt und den jüngeren Patenkindern über den Vormund geben, mit der Auflage, damit die Matratze einzukaufen. Die Patenkinder und Vormünder wissen, das die MIFA- Mitarbeiter später auch kontrollieren, ob das Geld entsprechend verwendet worden ist.

Viele Grüße aus dem MFB und von unserer Partnerorganisation MIFA in Uganda! Wir wünschen Ihnen eine schöne Advents- und Weihnachtszeit, die so anders ist als alle Jahre davor: ohne Weihnachtsmarkt und Weihnachtsfeier, ohne große Konzerte und das gemeinsame Singen, vielleicht aber auch mit weniger Hektik und anderen, neuen Ideen. Bleiben Sie gesund und behütet!