Ein Jahresrückblick der Ebenezer-Berufsschülerinnen

Liebe Paten,

einige Fragen und Antworten, was Ihr Patenmädchen, das als Berufsschülerin in unserer Ebenezer-Berufsschule für Mädchen lernt, dieses Jahr gemacht hat:

Warum konnte mein Patenmädchen nicht mehr in die Berufsschule gehen?

 Zum Schutz der Bevölkerung vor Corona wurden Mitte März alle Schulen in Uganda geschlossen – auch die Berufsschulen. So mußte unsere Ebenezer-Berufsschule für Mädchen für den Rest des Jahres schließen. Ihr Patengeld wurde teils für etwaige höhere Kosten für die Ausbildung aufgespart oder – was den Großteil ausmachte – den Mädchen gegeben, die davon dringend benötigte Lebensmittel gekauft haben. Denn verhängten Corona-Maßnahmen brachten es mit sich, dass es eine strenge Ausgangssperre gab und infolgedessen viele Ugander arbeitslos wurden und sich Lebensmittel nicht mehr leisten konnten. So trug Ihr Patengeld sehr dazu bei, dass sie nicht hungern mußten. Vielen Dank!

Wann macht die Ebenezer-Berufsschule für Mädchen wieder auf?

Mittlerweile ist die Ausgangssperre gelockert, und auch Tagelöhner können wieder arbeiten gehen. Auch die Wiederaufnahme oder der Einstieg in die Berufsausbildung ist in Sicht:

Die Ebenezer-Berufsschule wird in der letzten Januarwoche wieder öffnen.

Warum erst so spät?

Am 14. Januar finden die Präsidentschaftswahlen in Uganda statt und die Zeit vor und auch nach den Wahlen ist eine gefährliche Zeit: Die Anhänger von Regierung und Opposition gehen oftmals aufeinander los. Der den amtierenden Präsidenten Museveni herausfordernde Oppositionsführer Robert Ssentamu  (bekannter unser seinem Musikernamen „Bobi Wine“), wurde bereits mehrfach verhaftet. Seine Anhänger protestierten dagegen und es gab bereits mehrere Tote, viele Verletzte sowie Sachschäden. Es ist auch zu befürchten, dass regierungstreue und oppositionelle Anhänger das Ergebnis der Wahl nicht anerkennen. Zum Schutz der Mädchen möchten wir daher den Schulbeginn nicht allzu nahe am Wahltermin ansetzen. Auch das ugandische Bildungsministerium rät dazu.

Was haben die Berufsschülerinnen seit Schließung der Schule Mitte März gemacht?

Berufsschüler, die ein Handwerk lernen, können zu Hause ohne jegliches Material (Werkzeuge und Anleitungen) keinen Heimunterricht machen. Die beiden Leiter von Ebenezer, Peter Katamba  und Ruth Nansubga, haben auch während des Lockdowns jede Möglichkeit genutzt die Mädchen zu besuchen und in Kontakt zu bleiben. Einige Mädchen, die ganz in der Nähe der Schule wohnen, konnten immer mal wieder vorbeikommen und haben dann verschiedene Handarbeiten, wie Matten, Körbe, Flaschendekorationen usw. hergestellt.

Die Mädchen haben in der Zeit ab März auch zu Hause im Haushalt mitgeholfen: im Garten (sofern die Familie einen besitzt) beim Pflanzen, Säen und Ernten. Im Haus beim Kochen, Putzen, Wäschewaschen, Einkaufen und auch beim alltäglichen Feuerholz- und Wasserholen. Wenn sie kleinere Geschwister haben, mussten sie auf sie aufpassen.

Wir sind sehr froh, dass alle Mädchen gesund geblieben sind und keines von ihnen schwanger wurde.

Gibt es eine Weihnachtsfeier für alle Berufsschülerinnen?

Leider nein – die Corona-Vorschriften stehen dem entgegen. Peter und Ruth halten es im Moment auch für zu gefährlich, dass so viele Mädchen aus allen Richtungen in die Schule kommen. Sie befürchten, dass die Mädchen zwischen die politischen Fronten geraten könnten.

Wie kommt mein Patenmädchen dann zu seinem Weihnachtsgeschenk?

Unsere Sozialarbeiter haben als diesjähriges Weihnachtsgeschenk eine Matratze vorgeschlagen.

Die Mädchen, die nahe beim Ebenezer-Heim wohnen, holen sich ihr Weihnachtsgeschenk selbst ab. Alle anderen, die weiter entfernt wohnen, werden diese Woche von Ruth besucht und bekommen ihr Weihnachtsgeschenk persönlich überbracht. Da die Mädchen relativ nahe zusammenwohnen, ist dies möglich, denn im Moment ist es zu gefährlich, mit einem großen Auto, vollgepackt mit Geschenken, herumzufahren. Regierungstreue oder Oppositionelle könnten annehmen, hier würden Wahlgeschenke vom politischen Gegner verschenkt und dagegen angehen.

Wie wir mit den Geschenken für die „Nicht-Berufsschul-Patenkinder“ umgehen, wissen die Kollegen vor Ort noch nicht, denn diese Kinder leben im weitem Umkreis um die Hauptstadt Kampala herum: Entweder wird den Familien das Weihnachtsgeld in bar und mit der Bitte übergeben, sich davon eine Matratze für Ihr Patenkind zu kaufen oder das Verteilen der Matratzen wird auf die Zeit nach den Wahlen verschoben, möglicherweise erst im Februar oder März.

Fehlt in der Berufsschule noch etwas?

Die Ausstattung mit Möbeln ist etwas knapp. Weitere Stühle und auch Tische wären gut.

Nun noch ein paar Fragen zu den jüngeren Ebenezer-Kindern, die wir von der Straße geholt haben und die seitdem permanent im Ebenezer-Heim leben und dort Heimunterricht bekommen, denn die Schulen in Uganda sind derzeit nur für die Abschlußklassen geöffnet.

Wann fängt für diese Kinder die Schule wieder an?

Ebenfalls im Januar nach den Wahlen – vorher ist es zu gefährlich.

Werden die Ebenezer-Kinder eine Weihnachtsfeier haben?

Ja, weil sie sowieso zusammen wohnen, dürfen sie auch zusammen Weihnachten feiern: alle Jungen und Mädchen und die Berufsschülerinnen, die nahe am Ebenezer-Heim wohnen, werden mit den Mitarbeitern eine große gemeinsame Weihnachtsfeier haben.Etliche Kinder können zum neuen Schuljahr zurück in ihre Familien, denn das Ebenezer-Heim ist nur als „Heim auf Zeit“ gedacht und hat letztlich das Ziel die Kinder zurück in ihre Familien zu bringen – was uns besonders bei den Jungen auch sehr gut gelingt.

Für diese Kinder ist die Weihnachtsfeier dann wie eine Abschiedsfeier vom Heim.

Auf dem großen Gelände des Ebenezer-Heims werden viele Lebensmitteln selbst erzeugt. Was können sie noch gut gebrauchen?

Auch die Zahl der Möbel für diese Kinder ist sehr knapp. Weitere Betten und Stühle könnten wir sehr gut gebrauchen. Für die Eltern, die ihre ehemaligen Straßenkinder wieder in die Familie aufnehmen, haben wir ein „Familienprogramm“ ans Laufen gebracht. Ihre große Herausforderung ist es, tagtäglich genug Lebensmittel für die ganze Familie bekommen. Selbst in einer Zeit mit stark gelockerten Corona-Maßnahmen ist es für ganz viele Menschen überhaupt nicht einfach, die nötigen Nahrungsmittel heranzuschaffen. Deshalb bräuchten wir mehr Saatgut, sowohl für das Ebenezer-Land als auch für diese Familien, sofern sie einen eigenen Garten besitzen. Mit mehr Saatgut können mehr Lebensmittel erzeugt und geerntet werden.

Der Ebenezer-Bauernhof hat auch Tiere…

Seit etlichen Jahren haben wir Kühe für die Milch. Mittlerweile sind es fünf: eine Mutterkuh und ihre inzwischen erwachsenen Kälbchen. Dazu haben wir etliche Hühner für die Eier und auch 10 Ziegen und 8 Schweine.

Wir planen für nächstes Jahr, noch drei weitere große Ziegen anzuschaffen, die bald gedeckt werden können oder sogar schon tragend sind. Die Zicklein wollen wir dann an Familien abgeben, die ihr Kind wieder aufgenommen haben UND natürlich auch die Ziege gut versorgen können, d.h. genug Platz und Futter für sie haben.