Einblicke in eine ugandische NGO – Tagebuch Jan Krause und Franziska Rehbein #3

TAG 3:

post3Heute haben wir mit Noah und Sylvia die Ebenezer Straßenkinder besucht. Wir mussten ca. 1,5h vom MIFA Büro dorthin fahren. Lange Zeit ging es über sehr schlechte Erdstraße. Im Auto zogen kleine Lehmhütten an uns vorbei, Ziegen, Kühe und viele Kinder. Wir waren im „Outback“ angekommen. Zuerst sind wir zur Schule gefahren, um die Ebenezer Boys dort abzuholen. Sie besuchen eine normale Schule auch mit anderen Kindern, die nicht gesponsert sind. Die Schule sah den vielen ländlichen Schulen ähnlich, die wir schon zuvor während unseres Freiwilligendienstes kennengelernt haben: zwei große Gebäude, ein wenig brüchig, aber stabil und viele Kinder, die barfuß umherliefen und spielten. Aus den ganzen Schulkindern wurden nun die Ebenezer Boys gerufen und wir haben uns gegenseitig vorgestellt. Man hat gemerkt, dass sie ziemlich aufgeregt – aber es war ein positives aufgeregt sein! Nach der kurzen Vorstellung haben vier ausgewählte ein einstudiertes Lied für uns vorgetragen. Sie sangen von ihrem Leben – vor und nach der Unterstützung von MIFA und dem MFB. Sie waren dankbar, fühlen sich behütet und sehen endlich wieder eine Perspektive. Dank ihren Sponsoren und der ehrenamtlichen Arbeit von MIFA und dem MFB. Das war wirklich sehr süß! Anschließend sind alle Jungs hinten auf den MIFA Truck gesprungen und weiter gings zum Ebenezer Haus. Das ist nur ein paar Minuten von ihrer Schule entfernt. Dort angekommen haben wir gesehen, wie die Jungs dort aufwachsen dürfen. Sie schlafen in vierer Zimmern zusammen, es gibt einen Gemeinschaftsraum mit Fernseher, eine große Wiese zum Fußball spielen und viele Tiere auf dem Hof. Stolz wurden uns die Baby Ziegen präsentiert. Es war wirklich eine ausgelassene Stimmung – wie auf einer Klassenfahrt. Als wir auf unser gemeinsames Mittagessen gewartet haben, wurde lebhaft gesungen und geklatscht. Zum Ende des Tages wurden mehrere Jungs dazu aufgefordert uns von ihren Geschichten zu erzählen… Die Stimmung wurde dann deutlich ruhiger. Sie stellten sich nach vorn, erzählten auf Luganda und ihr Betreuer übersetze für uns ins Englische.

„Ich wohnte mit meiner Großmutter zusammen. Eines Tages musste sie auf eine Beerdigung gehen und hat mich alleine zuhause gelassen. Ich beschäftigte mich also mit mir selbst, bis sie wieder kam. Als sie wieder kam, merkte sie, dass ein Sack Reis gefehlt hat. Sie hat mich angeklagt, den Reis verkauft zu haben. Aber das hatte ich nicht getan! Aber sie wollte nun das Geld von dem Verkauf von mir haben – aber ich hatte nichts. Ich hatte Angst. Ich habe meine paar Klamotten zusammengepackt und bin weggelaufen. Alleine, Richtung Kampala. Dort traf ich andere Kinder auf der Straße. Zusammen haben wir Plastikflaschen gesammelt um Geld für essen zu bekommen. Eines Tages saß ich nackt am Fluss und habe gerade meine Klamotten gewaschen – die einzigen, die ich noch besaß. Dann kam Peter auf mich zu und erzählte mir von Ebenezer… “

„Ich lebte bei meiner Großmutter. Wir waren alleine. Ich konnte nicht in die Schule gehen und musste meiner Oma jeden Tag auf dem Feld helfen, damit wir genügend essen ernten konnten. Aber ich war sehr traurig. Alle meine Freunde aus dem Dorf konnten zur Schule gehen. Nur ich musste jeden Tag bei der Arbeit auf dem Feld helfen – den ganzen Tag lang! Eines Tages konnte ich nicht mehr, ich lief davon. Auf der Straße, Richtung Kampala. Dort wusste ich nicht, wo ich hin sollte. Die Polizei kam oft und hat uns Kinder gescheucht und geschlagen. Sie sagten, wir sollen zurück nach Hause gehen – aber das ging jetzt nicht mehr. Eines Tages hat Peter mich gesehen und erzählt, dass ich eine bessere Zukunft haben kann und jetzt bin ich hier…“

Die Jungs schauten beide verlegen auf den Boden während sie sprachen. Peter erzählte uns anschließend, wie unglaublich es ist, die Kinder wachsen zu sehen. „Wenn sie über ihre Geschichte reden, sind sie noch sehr still und emotional, aber zusammen mit den anderen Jungs im Alltag blühen sie richtig auf! Es macht unglaublich Spaß eine solche Veränderung zu beobachten!“

Der Tag war für uns sehr interessant und auch erfolgreich. Zu sehen, dass so eine Arbeit funktioniert und positiv auf die Kinder wirkt, ist ein Segen.